Kurzgeschichte von: Karlheinz Schudt
Der Himmel stuerzt ein

Ein grosser Samurai hatte ueber die Jahre hinweg in unzaehligen Kriegen schon viele Kaempfe fuer seinen Herren gewonnen. Nun aber verlor er seinen ersten Kampf. Gedemuetigt, voller Zorn gegen sich selbst und den Rest der Welt, wollte er seinem nun nichtswuerdigen Leben ein Ende bereiten. Er ritt die staubige Landstrasse entlang, darueber nachsinnend, wie er sich nun am grausamsten und auffaelligsten in Jenseits befoerdern koennte.
Ploetzlich lag vor ihm auf der Strasse ein kleiner Spatz auf dem Ruecken und streckte seine beiden Fuesschen zum Himmel.
Der Samurai, in seinem Denken gestoert, hielt an und schrie den Spatz an: 'Geh mir aud dem Weg, du nichtswuerdiges Federvieh!' Der Spatz aber entgegnete ganz keck: 'Nein, das werde ich nicht tun. Ich habe eine grosse Aufgabe zu verrichten.' Der samurai, ganz ueberrascht und erstaunt ueber die selbstbewusste Antwort des Spatzen, stieg von seinem Pferd ab, beugte sich zu dem Spatzen hinunter und sprach: 'Sage mir, was ist denn so wichtig, dass du mir den Weg nicht freimachen willst?' 'Oh', sagte der Spatz, 'man hat mir gesagt, dass heute der Himmel auf die Erde fallen wird, und da liege ich nun, um ihn mit meinen Fuessen aufzufangen.'
Als dies der samurai hoerte, da fing er an zu lachen und konnte beinahe nicht mehr aufhoeren. Und er rief prustend:
'Was, du kleines Federknaeuelchen willst mit Deinen duerren Beinchen den Himmel auffangen?' Der kleine Spatz erwiderte ganz ruhig und klar:
Tja, man tut was man kann!'

Diese Kurzgeschichte wurde mir per e-mail zugesand und ich glaube dies betrifft uns alle, Eltern und Kinder gemeinsam.
Wer mehr ueber die Maerchen und Lehrgeschichten und dehren innere Bedeutung fuer die erfolgreiche, sinnerfuellte und glueckliche Alltagsbewaeltigung erfahren moechte, der darf gern die Webseite von Karlheinz Schudt besuchen.
http://www.maerchen-zentrum.de/troubador/Briefe-6.htm
Index erneuert am: 08.05.2002 von Helma Jung