Einblick in das Leben und Treiben in der Schule fuer Koerperbehinderte in Homburg/Saar
Erfahrungsbericht von 'Miri' ueber den ersten Tag ihres Praktikums and der staatlichen Schule fuer Koerperbehinderte in Homburg/Saar
Hy Helma,
Ich habe anfang des Jahres ein zweiwoechiges Praktikum gemacht an der staatlichen Schule fuer Koerperbehinderte in Homburg/Saar. Das ist eine Zusammenfassung des ersten Tages. Wuerde mich freuen wenn ich den Artikel bald auf Deiner seite sehen wuerde!

Der erste Tag:
Man sagte mir, dass es voellig ausreichen wuerde, wenn ich um 8.00 Uhr meinen Dienst antreten wuerde. So wie ich eben bin, stehe ich schon eine viertel Stunde frueher
vor dem Bau 84 auf dem Uni-Gelaende. Ich gehe ins Sekretariat, wo man
mich freundlich begruesst und noch eine kurze Zeit in einen Warteraum
schickt. Es muss wohl so um kurz vor acht gewesen sein, als Frau Ullrich (Sekretariat)mich mit der Betreuerin der Klasse, in die ich eingeteilt bin, bekannt macht.
Frau Finkler macht gleich zu Beginn einen sehr sympathischen Eindruck auf mich. Sie geht mit mir zum Haupteingang und erklaert mir, dass hier morgens immer die ankommenden Schueler entgegengenommen werden und dann zum Klassenraum begleitet wuerden. Sie uebergibt mich an Felix, den Zivi der Klasse. Wir warten auf die Busse des Roten Kreuzes, die jeden Morgen die Kinder zu Hause abholen und hier abliefern.
Ich stehe noch mehr oder weniger hilflos da, weil ich nicht genau weiss, was zu tun ist. Also entschliesse ich mich erst mal zu beobachten, wie alles vor sich geht. Als offensichtlich alle Kinder da sind, werden sie an den Fahrstuhl gebracht, mit oder ohne Rollstuhl, und wir fahren vom Unter- ins Erdgeschoss.
Im Klassensaal, der sehr schoen eingerichtet ist, mit vielen selbst gebastelten
Plakaten und Bildern, helfe ich den Kindern, die Jacken aus zu ziehen. Schon da kommt ein kleiner Junge auf mich zu und fragt: 'Wie heischt dann du?'. Er schaut mich dabei richtig neugierig an.'Miriam und du?' 'Olli!', meint er und sagt: 'Warum bischt du dann da?' 'Ich mache ein Praktikum und bleibe zwei Wochen bei euch!' 'Cool!',
lacht er und geht hinaus, um seine Jacke auf zu haengen. Ich schaue ihm hinterher und schon jetzt fuehle ich mich richtig wohl hier.
Alle Kinder setzen sich in einen Kreis und Frau Finkler macht mich mit allen bekannt. Die Lehrerin der Klasse, Frau Tiefensee, hat mich schon vor dem Klassensaal begruesst. Die Schueler sind alle zwischen 6 und 8 Jahre alt. Nachdem wir ein Lied gesungen haben, bei dem jedes Kind aussuchen darf, was als naechstes gemacht werden soll (klatschen, strampeln, nicken, schuetteln, patschen, stampfen, winken, schnalzen,...), setzen sich alle an ihre Tische. Ich fahre einen Schueler an seinen Platz, der mich daraufhin ganz lieb anlacht. Mit ihm schreibe ich dann auch spaeter einfache Woerter
('Ala', 'Alu', 'Ulu', 'Lulu') am Computer.
Um 9.30 Uhr gibt es Fruehstueck, das sich die Kinder von zu Hause mitbringen. Ich lege es ihnen auf den Tisch , gehe eine Tasse holen, schaele die Banane, schneide das Brot,....
Drei Schueler bekommen ein Laetzchen umgebunden. Dann fassen wir uns alle an den Haenden und wuenschen uns einen guten Appetit.
Ich helfe Stefan gerade bei seinem Getraenk, als eine Durchsage kommt, dass die drei neuen Praktikantinnen ins Sekretariat kommen sollen. Frau Bergem zeigt uns in der anschliessenden Pause die Raeumlichkeiten der Schule. Unter anderem das Internat, das von recht vielen Schuelern in Anspruch genommen wird und wirklich toll eingerichtet ist, die Bibliothek mit vielen Bilder- und Sachbuechern, die Raeume fuer die einzelnen Therapien (Ergotherapie, Akustikraum, Turnraum, Schnuselraum (hier werden durch Lichtspiele und Bewegungsablaeufe (Wasserbett) bestimmte Sinne im Koerper angesprochen), die anderen Klassenraeume, Lehrerzimmer, Pausenhof mit Sportplatz,
Schwimmhalle,.... So kennen wir uns wenigstens ein bisschen im Haus aus.
Als ich wieder in meinem Klassensaal bin, helfe ich zwei Schuelern
bei einfachen Matheaufgaben. Ich muss mich dabei sehr deutlich ausdruecken
und langsam und verstaendlich sprechen. Und man braucht vor allem Geduld!
Die Kinder brauchen immer etwas laenger, bis sie die Frage verstehen und
dann die Antwort wissen. Aber es macht wirklich Spass mit ihnen zu arbeiten.
Um 11.30 Uhr richten wir dann das Mittagessen, d.h. Sachen wegraeumen,
rutschfeste Unterlagen und Servietten verteilen, Essen in der Kueche holen
gehen, auf Tellern anrichten, Besteck verteilen (bestimmte Kinder bekommen
Spezialbesteck), Trinken austeilen,.... Beim Mittagessen muss ich natuerlich
auch etwas helfen.
Um 12.30 Uhr ist dann grosse Pause. Ich helfe den Kindern beim Anziehen der
Jacken und schiebe sie auf den Schulhof. Dort sind fast alle Kinder der gesamten
Schule. Mit Isabelle und David veranstalte ich ein Rollstuhlrennen auf dem
Sportplatz, was ihnen so gut gefaellt, dass ich versprechen muss, es morgen zu
wiederholen. Es kommen noch viele andere Kinder und fragen, wer ich bin und
was ich hier mache.
Um 13.30 Uhr sind wir wieder im Saal und haben Kunst.
Heute tupfen die Kinder einen Schneemann mit weisser Fingerfarbe.
Ich muss bei einigen ein bisschen die Hand fuehren, aber es klappt ganz gut.
Trotzdem sehen die Kinder danach auch fast wie Schneemaenner aus. Also ist
Waschen angesagt. Das geht eigentlich recht schnell. Spaeter setzen sich alle
noch einmal in einen Kreis und wir machen noch ein Denkspiel.
Um 14.30 Uhr werden die Kinder angezogen und wieder zum Ausgang gebracht. Dort warten bereits die Busse, zu denen wir die einzelnen Kinder bringen. Um kurz nach drei ist dieser erste Tag fuer mich schon zu Ende.

Mein erster Eindruck:
Einfach toll!
Was mir besonders gefallen hat war die Offenheit und Aufgeschlossenheit der Kinder. Sie sind direkt auf mich zu gekommen, um mich kennen zu lernen.
Ausserdem lachen die
Kinder unheimlich viel. Sie sind viel froehlicher als andere
Kinder.
Das macht meinen Aufenthalt hier richtig schoen.
Alle Berichte sind als 'Hilfe zur Selbsthilfe' gedacht.
Nur wenn sich viele daran beteiligen, kann diese Seite interessant und eine Hilfe fuer andere Betroffene werden. Helfen Sie mit. Schicken Sie mir Ihre Berichte per e-mail.
Index erneuert am: 12.12.2001 von Helma Jung